Recap der SEOkomm 2012

Da geht sie zu Ende – die SEOkomm 2012. Knapp 600 Fachbesucher waren auf der SEO-Konferenz anwesend und ließen sich von interessanten Vorträgen und hervorragendem Catering beeindrucken. Nun möchte ich mich gerne in die bereits zahlreichen veröffentlichten Recaps einreihen und meine Erfahrungen und Eindrücke während des Besuches zusammenfassen. Dabei habe ich mir eine Precap gespart, welche trotzdem bereits viele Blogger vor der Veranstaltung geschrieben haben.

Vorweg noch ein paar Worte zu meiner Person und meiner Arbeit bei der Hitmeister GmbH. Ich bin Alexander Graf und habe nach dem Abschluss meines Bachelorstudiums in Informationsmanagement an der FH Hannover bei Hitmeister als Online Marketing Manager begonnen. Hauptsächlich beschäftige ich mich mit der Onpage Optimierung der Homepage, AdWords und SEO-Analysen.

Die SEOkomm 2012 war meine erste große SEO-Veranstaltung, bei der ich dabei sein konnte. Entsprechend verbindet man mit dem ersten Besuch besondere Erwartungen, die über praktische Tipps im Bereich der Suchmaschinenoptimierung hinausgehen. Wie arbeiten andere Unternehmen und Freiberufler? Welche Tools sind besonders beliebt? Differieren die Fakten in den Vorträgen von den stets tollen Blogbeiträgen aus dem Internet und welche Schlüsse kann man aus neuen Ideen ziehen?

Im Vorfeld habe ich mich über Speaker und Themen informiert – folgende Agenda ist dabei herausgekommen:

Im Rahmenprogramm habe ich mich sehr gefreut, noch Karten für das Toolbattle und die anschließende Warm-Up Party ergattern zu können. Und hiermit möchte ich auch erst einmal mit dem Recap starten.

The Toolbattle – Markus mischt das Panel auf

SEOkomm Toolbattle

Das Toolbattle auf der SEOkomm 2012 mit Moderator Evert Veldhuijzen.

Welches SEO-Tool kann welche Aufgaben am besten lösen? Das ist eine Frage, die sich sicher viele stellen und bei der mittlerweile sehr umfangreichen Auswahl kommt man mit dem Testen kaum noch hinterher. Egal ob Onpage, Offpage oder Social Media Monitoring Tools: Für jedes Problem gibt es eine Softwarelösung. Bei dem Battle ergab sich also DIE Chance um zu zeigen, was in den eigenen Tools so alles drinsteckt. Dabei muss jeder natürlich selbst entscheiden, welches Tool am besten für welche Aufgabe geeignet ist, denn auch wenn alle Tools im Kern ähnlich funktionieren und auch ähnliche Funktionen innehaben, so gibt es im Detail doch eindeutige Unterschiede. Kurz und knapp: Searchmetrics hat sich für Neulinge vor allem durch seine großen Filtermöglichkeiten und Internationalisierungsmöglichkeiten hervorgetan. Es gibt sogar umfangreiche Social Media Monitoringfunktionen. Die Link Research Tools, die durch Christoph C. Cemper vertreten wurden, wurden hier als beste und vor allem umfangreichste Möglichkeit zur Analyse von Backlinks und externen Linknetzwerken präsentiert. XOVI konnte ich nicht so genau einordnen, hatte aber durchaus den Eindruck, dass hier viele sinnvolle Funktionen, Filter und Exporte angelegt wurden. XOVI habe ich selbst noch nicht getestet und aufgrund der – sorry – etwas chaotischen Diskussionsrunde konnte ich jetzt auch nicht so recht erkennen, warum ich anstelle von beispielsweise Searchmetrics nun XOVI nutzen sollte. SEOlytics ist eindeutig das Tool mit dem geringsten Funktionsumfang und Filtermöglichkeiten. Trotzdem bedeutet das nicht, dass man hiermit schlechter arbeiten kann als mit den anderen „Powertools“. Hier traf auch Sören Bendig den Nagel auf den Kopf als er sagte, dass man ohne Köpfchen und Handarbeit keine vernünftige SEO-Analyse machen kann – bei der Anzahl der verschiedenen Metriken in den LRT (93!) kann man sich schnell verlieren und blindes Vertrauen in Statistiken ist bekanntlich nicht sinnvoll. Hier stellte Sören die Frage ans Publikum, ob irgendwer zumindest die Hälfte der SEO-Metriken erklären könnte. Immerhin eine Handvoll haben sich gemeldet, aber lustig war‘s 😉

Sören Bendig war aber eigentlich gar nicht derjenige, der das Battle ein wenig vorangetrieben hat, sondern Marcus von Searchmetrics. Dieser hakte, trotz Heiserkeit, immer wieder nach, wenn die Kollegen gerade eine Aufgabe lösten und setzte immer wieder nach, was das Battle etwas lebendiger machte. Insgesamt waren 4 Stunden ziemlich lang und die Aufgaben wurden allesamt zu allgemein gelöst („Jetzt klicke ich hierhin, jetzt dahin“… bla). Das konnte sich keiner merken (weder Pro noch Noob) und ein Fazit nach jeder Frage gab’s leider auch nicht. Zudem hatte jeder mit einer eigenen Domain herumhantiert – teilweise sogar mit mehreren. Wie sollte man das als Panelbeobachter vergleichen? Ich konnte mir als Zuschauer lediglich stichpunktartig verschiedene Features der Tools notieren, aber diese Informationen kann ich auch von deren Websites bekommen…

Warum nicht einfach vier Bildschirme/Leinwände nebeneinander stellen und jeder löst die Aufgabe Schritt für Schritt – dafür umfangreicher und dokumentiert. Was absolut gefehlt hat, war ein Fazit zu den Aufgaben. Klar, es geht nicht darum, dass das eine Tool besser oder schlechter ist als ein anderes aber so sind die eigentlich interessanten Ergebnisse im Wust von Bildschirmwechsel und ausfallendem WLAN völlig untergegangen.

Dennoch – für’s nächste Jahr vielleicht kürzere und strukturiertere Aufgaben, bzw. Vorträge und die Veranstaltung ist richtig TOP!

Die Konferenz – Rocking the Brandboxx

Die Partys stelle ich erst einmal hinten an und möchte nun ein paar Worte zur Konferenz und ihren Vorträgen verlieren. Kurz gesagt – die Vorträge waren alle gut, einige sogar extrem spannend. Hierzu sei nochmal gesagt, dass ich keinen Vergleich zwischen anderen Konferenzen ziehen kann, da ich alle Speaker zum ersten Mal gehört habe. Track 1 war hier eindeutig mein Themengebiet und ich habe folgende Ergebnisse und Hypothesen als besonders wichtig empfunden:

  • User Interaction / Trafficfaktoren / Bounce Rates spielen immer wichtigere Rollen
  • PR / klassisches Marketing und SEO wachsen zusammen (was mir übrigens auch viele Mitarbeiter von Agenturen bestätigten)
  • SEO wird die Schnittstelle zwischen Technik und PR
  • Gute Backlinks verlieren nicht an Bedeutung, schlechte aber schon
  • Backlinks sind nicht mehr so wichtig. (Ah ja… Ich zitiere mal @chhein: „Links sind nicht mehr so wichtig, also sprechen wir jetzt mal 2 Stunden über links.“
  • Das Disavow Tool sollte man eher nicht Nutzen (Warum war das eigentlich so ein großes Thema? Da haben wir eh keinen Einfluss drauf, wer es nun schlussendlich doch benutzt)
Dikussionsrunde mit Ulrich Lutz von Google

Ulrich Lutz von Google diskutierte mit dem SEO-Experten Panel

Sind eigentlich jemand die vielen „Dung-Haufen“ in verschiedensten Präsentationen aufgefallen? Witzigerweise bezogen die sich alle auf Aussagen von Matt Cutts und seinem Quality Team. Hätte das der Ulrich Lutz gesehen… Beim Roundtable ist er ja ganz schön ins Schwitzen gekommen – verständlich bei einem riesigen Saal voller SEOs. Meiner Meinung nach hat das SEO-Panel, mit Christoph, Ralf, Klaus und dem herausragenden Marcus Tandler, den Herrn von Google sehr gut behandelt und sogar einige nervige und unnötige Fragen abgewimmelt. Neben einigen originellen Fragen wurde dennoch einiges an Potenzial (Zeit) verschenkt, hier etwas Interessantes zu hören. Dass Ulrich Lutz nicht zugeben würde, dass die Nutzung des Disavow Tools dazu führt, dass man bei Google als „Blacklisted“ geführt werden könnte, war wohl abzusehen. Im Allgemeinen war das Abschlusspanel aber recht unterhaltsam, auch wenn man nichts Neues erfahren konnte.

Ganz im Gegensatz hierzu stand der Vortrag von Karl Kratz, der wieder einmal die WDF-IDF-Keule auspackte und viele ratlose Gesichter zurückließ. Das hat mir richtig gut gefallen, denn hiermit kommen wieder neue Impulse in die Szene und geben Raum für innovative Interpretationen und Ideen. Wer hier ohne Vorwissen reinging, hatte sicherlich Probleme zu folgen aber bei einer Fachkonferenz sollte man auch mal mit harten Facts konfrontiert werden, denn Basics reichen (wie immer) nicht für Top-Rankings! Etwas anders war der Vortrag von Marco Janck aufgebaut, der wiederkehrende Probleme für Shopbetreiber lösen wollte. Auch wenn das was er sagte vollkommen korrekt war, hätte er gerne noch ein paar Fallbeispiele einbringen oder einige Themen ausführlicher behandeln können. Die in der Vorschau beschriebenen „Geheimnisse“ waren das jetzt eher nicht 😉 @Marco: In deinen Blogbeiträgen findet man da oftmals viel bessere Infos – weshalb ich da auch regelmäßig mitlese.

Zensur durch Negative SEO

Black Hat Session

Black Hat Session mit Bastian Grimm. Florian Rossbacher fiel leider wegen Krankheit aus

Wow, ein absolutes Highlight der SEOkomm-Vorträge – ausgelöst durch eine interessante Zuschauerfrage, welche lautete: „Gibt es negative SEO in der Praxis außerhalb des Bereichs Porn, Viagra und Poker?“ Dass die Antwort „Ja“ lautete, hat mich nicht so überrascht – Überrascht haben mich hier vor allem die Motive. Background: Eine offenbar große Tageszeitung oder ein großes Magazin schrieb in einem Onlineartikel über einen bekannten fundamentalistischen Prediger aus der islamischen Welt. Der Artikel blieb laut Aussage 3-4 Tage online, dann wurde er mit negativer SEO aus dem arabischen Raum beschossen und kurze Zeit später im Index beerdigt. Da Unterseiten wesentlich anfälliger für negative SEO sind, flog dieser innerhalb kürzester Zeit aus dem Index. Was hier so überrascht, ist, dass die Motive in diesem Fall nicht bloßes Konkurrenzdenken anderer SEOs waren, sondern offenbar religiöse oder kulturelle Gründe die Ursache waren. Fast schon ein SEO-Krimi!

Zwei Vorträge möchte ich noch kurz erwähnen: Think different von Jens Altmann – seinen Blog gefruckelt.de kenne ich schon seit einigen Monaten. Live nun zum ersten Mal dabei gewesen, habe allerdings die Session mit gemischten Gefühlen verlassen. Dem Titel seines Vortrages ist er jedenfalls gerecht geworden: Einige interessante neue Gedanken hat er tatsächlich aufgeworfen, –besonders was die Freshness von Suchvolumen und Suchbegriffen angeht. Richtig beeindruckend hat er die Möglichkeiten an neuen Ideen zur Trafficgenerierung durch Google Suggest, Wikipedia und Trends aufgezeigt. Die tolle Kategoriefunktion von Trends (bzw. ehem. Insights for Search) ist wahrhaftig eine schöne Möglichkeit um zu sehen, wie Google Terme kategorisiert. Nebenbei erwähnt, lässt sich diese Funktion ja nicht nur zur Manipulation oder „schnellen Trafficgenerierung“ verwenden, sondern auch zur Onpage Optimierung allgemein.

Die letzte Session, die ich noch ansprechen wollte, ist die Keynote von Markus Tandler. Die vielen Folien mit witzigen Bildern und Ideen haben richtig motiviert, auch wenn man noch platt von der Warm-Up Party war. Superschnell und trotzdem tolle Facts in einem – hat richtig Spaß gemacht.

Allgemein also eine abwechslungsreiche Veranstaltung in einer coolen Location. Dass das WLAN nicht geklappt hat – was soll’s! Es hat meine Eindrücke der Veranstaltung eindeutig nicht negativ beeinflusst.

Catering & Party

Dazu brauch ich gar nicht viel zu schreiben. Das war auf allen Veranstaltungen einwandfrei und sehr lecker.

Die Warm-Up Party im Stieglkeller in der Salzburger Altstadt war wirklich toll, auch wenn ich nicht weiß, warum sich einige mitten in den kalten Türbereich gestellt haben, wo es drinnen doch schön warm war. Generell fand ich’s prima, dass wirklich alle Besucher so offen und umgänglich waren, dass es in jeder Situation viel Spaß gemacht hat sich zu unterhalten und neue Leute kennenzulernen. Da so viele da waren habe ich einige aus den Augen verloren und mich leider nicht mehr verabschieden können. Ich hoffe ihr seid alle gut angekommen und hattet eine angenehme Heimreise. Es war jedenfalls sehr spannend zu hören, wie ihr arbeitet und diverse SEO-Themen betrachtet. Auf der Arbeit habe ich eher selten mit SEOs aus so vielen verschiedenen Berufskreisen zu tun, was es daher umso interessanter macht, etwas über andere Arbeitsweisen zu erfahren.

Treffen Alexander Graf Warum Up Party im Stieglkeller

What does all that mean?

Hier noch ein Blick über Salzburg

Da ich gerade die 2000 Wörter-Schallmauer durchbreche, werde ich mein Fazit hier umso kürzer machen. Die SEOkomm 2012 war richtig genial und vor allem das Publikum war spitze. Ich kann mir gut vorstellen, dass es vielen anderen wie mir geht und sie vor allem mit positiven Eindrücken wieder gefahren sind (oder auch geflogen) – Salzburg liegt wirklich ein ganzes Stück entfernt von Köln. Dennoch war es eine gute Chance für Österreicher auf eine nahgelegene Online Marketing Konferenz zu fahren und wir „Touristen“ hatten die Möglichkeit noch die malerische Altstadt von Salzburg zu besichtigen. Ich würde mich freuen, auf der nächsten SEO-Veranstaltung wieder viele von euch zu treffen. Vielen Dank dafür an Oliver Hauser und Christoph C. Cemper und ihr ganzes Team, die hier klasse Arbeit geleistet haben.

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2 Antworten to “Recap der SEOkomm 2012”

  1. Bettina Huber sagt:

    Super Recap von der SEOKomm. Da werde ich mich für das nächste Jahr, vorausgesetzt die ist da wieder, auch mal anmelden und hingehen. Scheint sehr interessante Vorträge dort zu geben. Toller Recap!

  2. […] SEOkomm Recap von Alexander Graf (Hitmeister.de) […]