Amazon greift in die Preissetzung seiner Amazon Marketplace Händler ein

Wie Amazon gestern im Verkäuferbereich seiner Amazon Marketplace Verkäufer, bekanntgab, soll für diese Verkäufer künftig „Preisparität” gelten, d.h. dass der Artikelpreis und der Gesamtpreis (insgesamt zu zahlender Preis, ohne Steuern) für alle Artikel, die ein Verkäufer auf Amazon.de anbietet, im Vergleich zu anderen nicht ladengeschäftgebundenen Vertriebskanälen dieses Verkäufers, grundsätzlich gleich günstig oder günstiger sein müsse. Zu den nicht ladengeschäftgebundenen Vertriebskanälen zählt auch der eigene Online Shop eines Verkäufers.

Die Begründung, die das Unternehmen aus Seattle/Washington anführt, lautet: „Wir glauben, dass dies das Kundenvertrauen stärkt, was zu mehr Kunden und damit mehr Umsatz führen und so den Wert von Amazon.de Marketplace für Verkäufer erhöhen kann.” Der Eingriff in die freie unternehmerische Entscheidung der Preissetzung im eigenen Online Shop und der Preissetzung auf alternativen Vertriebskanälen zu Amazon Marketplace bleibt unkommentiert. Inwieweit die neue Richtlinie Amazons mit europäischen kartellrechtlichen Bestimmungen ggf. kollidiert und ein Missbrauch einer möglicherweise marktbeherrschenden Stellung vorliegt, bleibt zu prüfen.

Obwohl die Änderungen bereits am 31. März 2010 in Kraft treten werden, soll den Verkäufern noch bis zum 1. Mai 2010 Zeit eingeräumt werden, die notwendigen Änderungen für die Preisparität umzusetzen. Geschehe dies nicht, behalte man sich einen Ausschluss des unwilligen Verkäufers vom Amazon Marketplace vor.

Die Reaktionen von Online Händlern auf Amazons Preisparität können gelinde formuliert als „verhalten” bezeichnet werden. Eine Umfrage, die wir gestern unter einem Teil unserer gewerblichen Verkäufer durchgeführt haben, hat ergeben, dass 90% empört von der neuen Amazon-Vorgabe sind. Einige Originalaussagen:

„Wo Gebühren anfallen, müssen diese auch in den Preisen einkalkuliert werden, sonst legt man drauf. Amazon hat unverschämt hohe Gebühren. Außerdem beschneidet dies die freie Marktwirtschaft.”

„Diese Preisparität ist für uns nicht hinnehmbar.”

„Dies ist immer noch ein freies Land, mit einer funktionierenden Marktwirtschaft. Dies werden wir uns ganz sicher nicht von Amazon einschränken lassen, es gibt ja Gott sei Dank viele Marktplätze….”

Es haben sich daher 45% der gut 100 antwortenden Verkäufer entschlossen, einen Teil bzw. alle Angebote auf Amazon Marketplace zu löschen. Weitere 30% werden nichts an Ihren Preisen ändern. Vor diesem Hintergrund und auch aufgrund der Unklarheit der rechtlichen Lage, bleibt abzuwarten, inwieweit die Vorgabe zur Preisparität von Amazon tatsächlich von den Verkäufern umgesetzt wird.

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8 Antworten to “Amazon greift in die Preissetzung seiner Amazon Marketplace Händler ein”

  1. Peter sagt:

    Ich denke, dass Amazon, dies nicht konsequent durchziehen kann ohne an Vielfalt und Freiheit zu verlieren.

    Gruß Peter

    http://www.amacheck.de

  2. Ich finde diese Aktion von Amazon-Marketplace auch etwas eigenartig.
    Ich habe dort schon einiges verkauft, aber da ich mit Büchern handle und wie da eine Preisbindung haben, ist durch das vorgegebene Porto von € 3,00 sowieso das Anbieten bei Amazon-Marketplace uninteressant. Da liegt Amazon sowieso immmer vorne.
    Aus diesem Grund biete ich meine Bücher sowieso schon bei Hitmeister an.

  3. eselsohr24 sagt:

    Bin mal gespannt, wie und in welchem Umfang die das nachprüfen wollen. Und wie die Massnahmen dann aussehen??
    Gruß Peter
    eselsohr24

  4. Ramona sagt:

    Das einzig richtige hier ist, einfach auf Amazon nichts mehr anbieten. Zum Glück bin ich auf Amazon nicht angewiesen, auch Ebay habe ich den Rücken vor ca 2 Jahren zugewendet nachdem abzusehen war das Paypal Pflicht wird. Für mich als Shopbetreiber lass ich mir nicht sagen welche Zahlungsart oder Preise ich meinen Kunden anbiete, Ich hoffe ja das Hitmeister nicht irgendwann auch so einen Kurs fährt
    Grüsse
    Ramona

  5. Gerald sagt:

    Hallo Frank,
    danke für deinen Beitrag.
    Amazon hat gegenüber Hitmeister über 10 Jahre Vorsprung. ;-) Es wäre unseriös, wenn wir Verkäufern empfehlten, nur noch auf Hitmeister zu verkaufen. Wir wachsen schnell und sorgen somit künftig hoffentlich für deutlich steigende Umsätze, aber es ist sicher sinnvoll, parallel auch andere Alternativen (insbesondere den eigenen Shop!) zu prüfen.
    BG
    Gerald

  6. frank sagt:

    Das ist wieder ein neuer Hammer von Amazon. Nach der neuen Kommunikationsverwaltung die ja auch schon eine Frechheit ist, jetzt das.
    Wir haben sofort ans Kartellamt geschrieben:
    Zitat:
    “….Amazon.de verlangt von als Verkäufer auf Amazon eine Preisparität, das heißt, meine auf meinem Webshop oder ebay verkauften Produkte dürfen nicht günstiger als bei Amazon.de angeboten werden. Wir bitten Sie zu prüfen, ob diese neue, unverschämte Richtlinie von Amazon mit kartellrechtlichen Bestimmungen vereinbar ist…..”
    Bitte an alle Verkäufer: Macht mit und lehnt euch auf gegen diese Machenschaften von Amazon! Schreibt auch ans Kartellamt! Oder bietet nur noch auf Hitmeister an – wir sind auch am Überlegen, ob wir nicht alles hierher geben. Leider stimmen aber die Umsätze hier noch nicht so … ;-)

  7. So Nicht! sagt:

    Das wird dann wohl eines von vielen anderen amerikanischen Unternehmen sein, die sich entweder komplett vom europäischen Markt zurückziehen, oder solche Änderungen schnellstens wieder rückgängig machen…
    Kontaktseite des Bundeskartellamtes:
    http://www.bundeskartellamt.de/wDeutsch/bundeskartellamt/Kontakt/kontakt.php

  8. Der Gande sagt:

    Schade, ich hatte Amazon bis jetzt immer positiv gesehen. Aber nun (ich bin nur Käufer!) bekommt Amazon für mich ein schlechtes Ansehen… so schlecht wie ebay!!!!
    Schade, jetzt kann man bald nicht mehr vieles dort kaufen.

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