Ich lese gerade ein interessantes Buch von Scott A. Shane, Entrepreneurship Professor an der Case Western Reserve University, es heißt „The Illusions of Entrepreneurship“. Shane entmystifiziert darin auf Basis empirischer (US-amerikanischer) Daten eine ganze Reihe von vermeintlichen Glaubenssätzen der Gründungsfinanzierung:
- Mythos: Für die Finanzierung eines Startups benötigt man viel Geld. Realität: Man braucht nicht viel Geld, um ein Startup zu gründen. Das typische US-Startup benötigt weniger als 25.000 USD Startkapital.
- Mythos: Gründer suchen überall nach Kapital. Realität: Die meisten Gründer erhalten ihr Startkapital nicht von anderen (Friends, Families & Fools, Business Angels, VCs) sondern verwenden ihre eigenen Ersparnisse.
- Mythos: Vermögende tendieren eher zur Gründung. Realität: Unerwartete Vermögenszuwächse erhöhen zwar die Wahrscheinlichkeit, dass jemand gründet. Aber Vermögendere neigen nicht stärker zu einer Gründung als der Durchschnittsbürger, es sei denn sie gehören zu den 10% der Vermögendsten und werden dann Freiberufler.
- Mythos: Gründer verschulden sich nicht persönlich. Realität: Startups nehmen kein Fremdkapital auf, aber ihre Gründer tun es und haften dafür persönlich.
- Mythos: Startups mit guten Geschäftsideen und guten Teams erhalten Kapital. Realität: Einer der am häufigsten übersehenen Gründe, weshalb jemand eine externe Finanzierung bekommt ist einfach, dass er danach fragt.
- Mythos: Sehr „frische” Startups erhalten am ehesten Geld. Realität: Ein Grund, weshalb einige Unternehmen externes Kapital erhalten und andere nicht ist, dass sie bereits weiter entwickelt, ggf. schon Cash Flow-positiv sind und somit das Risiko für die Kapitalgeber geringer ist.
- Mythos: Startups sind fast ausschließlich eigenkapitalfinanziert. Realität: Startups können auch Fremdkapital erhalten. Im Durchschnitt beträgt ihre Fremdkapitalquote sogar 50%.
- Mythos: Startups erhalten von Banken kein Geld. Realität: Banken verleihen Geld an Startups. Die am häufigsten vorkommende Quelle von Fremdkapital sind Banken.
- Mythos: Von Freunden und Familie Startkapital zu erhalten, ist einfach und üblich. Realität: Die häufig zitierten „Friends & Family” sind eine schlechte Quelle für externes Kapital.
- Mythos: VCs sind für die Eigenkapital-Versorgung von Startups zentral. Realität: VCs versorgen weniger als 1% junger Unternehmen mit Kapital. Insgesamt sind sie für weniger als 2% des gesamten Gründungsfinanzierungsvolumens verantwortlich.
- Mythos: VCs sind als Kapitalquelle relevanter als Business Angels. Realität: Informelle Investoren bzw. Business Angels sind eine wichtigere Kapitalquelle für Startups als VCs.
- Mythos: Der typische informelle Investor ist ein klassischer Angel – vermögend, erfahren, hohe Investitionen tätigend und mit hoher Renditeerwartung. Realität: Der typische informelle Investor ist deutlich weniger vermögend, hat deutlich weniger Erfahrung, tätigt deutlich geringere Investitionen und erwartet deutlich geringere Renditen als uns meist Glauben gemacht wird.
Kennt ihr noch andere Mythen der Gründungsfinanzierung?



Wie wäre es mit:
“Meine Hausbank (z.B. Sparkasse), bei der ich meine erstes Girokonto hatte, kommt für eine Finanzierung nicht in Frage. Die ist zu provinziell und macht eh nur Handwerker.”
oder
“Die Mühe, den Gründerzuschuss zu beantragen, mache ich mir nicht. Ich verzichte auf 10.000 Euro geschenktes Geld, das mich ein Jahr lang ruhiger schlafen lässt.”
Ok, ist ein bisschen polemisierend, kommt aber echt häufig vor.
btw.: Ganz schön teuer das Buch bei Euch