Forderungsmanagement und Risikomanagement für E-Commerce-Unternehmen – Interview mit Dr. Alexander Ey, Vorstandsvorsitzender Media Finanz AG

Wie bereits angekündigt, haben wir auf der IMK einige interessante Interviews geführt, die wir innerhalb einer Reihe in unserem Blog veröffentlichen werden. Den Anfang macht Dr. Alexander Ey, Vorstandsvorsitzender der Media Finanz AG, der Gerald Schönbucher zum Thema Forderungsmanagement im E-Commerce Rede und Antwort stand.


IMK Interview mit Dr. Alexander Ey, Vorstandsvorsitzen… – YouTube

Gerald Schönbucher: Hallo Alexander. Wer bist du, und was macht die Media Finanz AG?

Dr. Alexander Ey: Zunächst etwas zu meiner Person: Ich bin Vorstand der  Media Finanz AG. Eigentlich bin ich Branchenfremder und komme aus dem Medizinumfeld, habe aber softwareseitig eine Menge Erfahrung sammeln können und mich gemeinsam mit einem Team mit der Frage beschäftigt „Wie kann man das Thema Forderungsmanagement und  Risikooptimierung speziell für den Bereich E-Commerce optimieren?” Wir haben als erster Player am Markt ein online basiertes Mandantensystem aufgesetzt, über das in Echtzeit alle relevanten Prozesse in der Inkassobearbeitung, Kreditorenmanagement, Risikomanagement und in allen dazu gehörenden Bereichen abgewickelt werden können.

Mediafinanz kommt aus der klassischen Inkassoverarbeitung und hat mittlerweile sieben Jahre Markterfahrung auf dem Spezialgebiet E-Commerce. Dort rechnen wir im Prinzip den kompletten Anforderungskatalog an Risiko- und Präventionsmechanismen ab. D.h., wie kann ich risikobelastete Zahlarten mit bestimmten Betrugspräventionssystemen schützen und Ausfallquoten reduzieren? Wie kann ich das Kreditorenmanagement optimal abdecken, wie kann ich die besonderen Anforderungen wie Adressqualität, Kommunikationskanäle o.ä. im E-Commerce, speziell in der Inkassobearbeitung, behandeln?

Gerald Schönbucher
: Die Inkassobranche ist ja eine sehr tradierte Branche. Wenn man mit Leuten spricht und man sagt, man arbeitet in der Inkassobranche, wird direkt an „Moskau Inkasso” gedacht. Wo liegt denn der große Unterschied zwischen dem Online-Inkassobereich und dem traditionellen Inkasso?

Dr. Alexander Ey: Also ich bin kein „Moskau Inkasso”, das lasse ich jetzt mal weg, denn das ist eine rufschädigende und unzulässige Art und Weise der Forderungseintreibung. Jetzt zum zweiten Teil der Frage, was den Inkassobereich im E-Commerce von dem Klassischen unterscheidet. Dazu ein paar Punkte:

Bedingt durch die Anonymität der Vertragsgestaltung im Internet ist die Betrugsaffinität im E-Commerce höher als beim klassischen Handel. Dadurch muss man ganz andere Systeme aufsetzen, um mit dem Thema Betrug umgehen zu können. Das heißt, dass die reine Bonität eines Kunden vielleicht an zweite Stelle in der Bedeutung einer Kreditentscheidung rückt. An die erste Stelle rutscht die Ratifizierung eines Kunden, die Unterscheidung eines Betrügers von einem guten Kunden, ohne damit sagen zu wollen, dass der Großteil der Onlineshopper Betrüger sind. Aber das Thema hat einen ganz großen Stellenwert im Internet.

Was die Inkassobearbeitung angeht, gibt es ebenfalls große Unterschiede, denn die Kommunikationskanäle im Internet sind ganz andere als in einer klassischen Geschäftswelt. Vieles geht über E-Mail, Handy, SMS, Bestätigungslinks, etc. Das zeigt, dass es ganz unterschiedliche Kommunikationskanäle und Leitmedien gibt, um mit dem jeweiligen Kunden zu kommunizieren. Hier muss die technische Infrastruktur in der Inkassobearbeitung entsprechend ausgerichtet sein, um Erfolgsquoten zu erzielen, die den Mandanten zufriedenstellen und im Idealfall kostenneutral für den Mandanten darstellbar sein. Darauf haben wir uns spezialisiert. Und das unterscheidet uns von den meisten anderen Inkassodienstleistern, denn die Inkassobranche ist sicherlich nicht die innovativste Branche auf der Welt, doch darin haben wir unsere Chance gesehen mit innovativen Herangehensweisen für den E-Commerce einen speziellen Dienstleiter auf die Beine zu stellen. Das ist glücklicherweise auch gelungen!

Gerald Schönbucher
: Wenn man sich die Entwicklung anschaut, sieht man, dass die Verschuldung der Privathaushalte in den letzten Jahren in Deutschland zugenommen hat. Sollte vor diesem Hintergrund der Händler überhaupt risikoreiche Zahlungsweisen wie Lastschriftverfahren o.ä. anbieten? Würdest du das einem Händler auf Hitmeister, der vielleicht noch nebenher einen eigenen Shop betreibt, empfehlen?

Dr. Alexander Ey
: Das ist natürlich immer ein heikles Thema. Grundsätzlich kann man behaupten: Je mehr Zahlungsarten man dem Käufer zur Verfügung stellt, desto mehr Umsatz wird man am Ende machen und desto geringer sind die Kaufabbruchquoten, was auch viele Studien belegen. Natürlich braucht man, um diese Zahlarten anzubieten, entsprechendes Know-How, um zu verhindern, dass die Ausfallquoten in Größenordnungen reinrutschen, die den Mehrumsatz nicht zu mehr Gewinn werden lassen. Aber gerade dafür braucht man einen guten Partner und gerade als kleiner Händler ist man gut bedient, wenn man Plattformen wählt, die entsprechendes Know-How aufbauen können. Beispiel Hitmeister – dort kann man natürlich viel mehr Aufwand betreiben um Präventionssysteme aufzusetzen, als es ein kleiner Online Shop Betreiber kann, denn das würde in keiner Relation zum Mehrumsatz, den er am Ende erzielen kann, stehen.
Abschließend würde ich jedem Onlineshopbetreiber raten, Zahlarten wie Lastschrift und Rechnungskauf anzubieten. Rechnungskauf ist mit 80% die beliebteste Zahlart deutscher Kunden, unmittelbar gefolgt von der Lastschrift. Das sind also die klaren Kundenbedürfnisse, und man ist als Händler gefragt ein System aufzusetzen, das das Risiko im Griff hält.

Gerald Schönbucher: Abschließende Frage: Was ist deine Meinung zur IMK 2009?

Dr. Alexander Ey: Ich bin das erste Mal bei der IMK, vielen Dank für die Einladung. Ich finde es eine super Plattform. Und ganz besonders gefällt mir, dass es keine klassische Konferenz mit Vorträgen und Ständen ist, sondern dass ihr ganz klar gesagt habt, hier geht es darum, locker in angenehmer Atmosphäre zusammen zu kommen. Man hat die Möglichkeit offene Gespräche zu führen und vielleicht von den anderen etwas zu lernen und hat selber auch die Möglichkeit, den anderen etwas mitzugeben. Man kann interessante Kontakte für geschäftliche Zusammenarbeit knüpfen. Noch ist der Tag nicht zu Ende, und wahrscheinlich wird es noch viel spannender als es jetzt schon ist. Also mir gefällt es sehr gut, und die Location ist super.

Gerald Schönbucher: Vielen Dank, dass Du dir die Zeit genommen hast.


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